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Inhaltsverzeichnis
Eros gehört zu den vielseitigsten Gestalten der griechischen Mythologie. In frühen kosmogonischen Vorstellungen ist er eine Urkraft, die Leben und Verbindung möglich macht. In späteren Erzählungen erscheint er als geflügelter Gott, dessen Pfeile Begehren auslösen. Diese beiden Seiten gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Eros als Urkraft und Liebesgott
In Hesiods Theogonie tritt Eros neben Chaos, Gaia und Tartaros als eine der ältesten Mächte auf. Er steht für Anziehung und die Kraft, die getrennte Wesen miteinander verbindet. Diese Darstellung ist älter als das Bild des kindlichen Bogenschützen.
In späteren literarischen und bildlichen Traditionen wird Eros zum Sohn von Aphrodite und Ares oder zu einem Begleiter Aphrodites. Die Genealogien unterscheiden sich je nach Quelle. Deshalb ist es sinnvoll, zwischen dem kosmischen Eros und dem persönlichen Liebesgott späterer Mythen zu unterscheiden.
Kosmische Kraft und persönliches Begehren
Eros kann Liebe als schöpferische Verbindung verkörpern, aber auch als überwältigendes Verlangen, das Vernunft und soziale Grenzen auf die Probe stellt. Die griechischen Texte behandeln Liebe nicht als eine einzige, harmlose Emotion. Sie kann Fürsorge, Sexualität, Sehnsucht, Macht und Gefahr zugleich bedeuten.
Diese Mehrdeutigkeit erklärt, warum Eros sowohl mit Aphrodite als auch mit philosophischen Vorstellungen über die Ordnung des Kosmos verbunden wird. In Platons Symposion wird Eros als Streben nach Schönheit, Erkenntnis und dem Guten diskutiert.
Der Mythos von Eros und Psyche
Die Geschichte von Eros und Psyche ist vor allem durch Apuleius’ lateinische Erzählung bekannt. Psyche ist eine Sterbliche, deren Schönheit die Eifersucht Aphrodites weckt. Eros verliebt sich in sie, darf ihr aber sein Gesicht nicht zeigen.
Als Psyche sein Verbot bricht, verliert sie ihn und muss mehrere scheinbar unmögliche Aufgaben erfüllen. Dazu gehören das Sortieren von Körnern, das Sammeln goldener Wolle und der Gang in die Unterwelt. Ihre Ausdauer führt schließlich zur Versöhnung und dazu, dass sie selbst Unsterblichkeit erhält.
Der Mythos ist keine einfache Geschichte darüber, dass Neugier bestraft wird. Er erzählt von Vertrauen, Selbstständigkeit, Reifung und einer Liebe, die erst nach Prüfungen Bestand gewinnt.
Flügel, Bogen und Pfeile
In der Kunst wird Eros oft mit Flügeln, Bogen und Pfeilen dargestellt. Die Flügel verweisen auf die plötzliche und schwer kontrollierbare Bewegung des Begehrens. Der Bogen macht sichtbar, dass Liebe in vielen Mythen wie ein Treffer von außen erlebt wird.
Die spätere Darstellung als kleiner, oft schelmischer Knabe hat die moderne Vorstellung von Amor stark geprägt. Sie darf jedoch nicht die ältere, kosmische Dimension des Eros verdecken.
Eros und der römische Amor
Amor und Cupido sind römische Gestalten, die eng mit Eros verbunden und häufig mit ihm gleichgesetzt wurden. Dennoch entwickelten sich die griechischen und römischen Kulte, Namen und literarischen Bilder in unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen.
Mehr erfahren kannst du in den Beiträgen über Aphrodite, Eros und Psyche und die Urgötter.
Häufige Fragen
Wer ist Eros?
Eros ist in der griechischen Mythologie sowohl eine urzeitliche Kraft der Anziehung als auch ein späterer Gott des Begehrens und der Liebe.
Wer sind Eros’ Eltern?
Das hängt von der Quelle ab. In der Kosmogonie ist Eros eine Urmacht; in späteren Erzählungen gilt er häufig als Sohn von Aphrodite und Ares.
Was geschieht im Mythos von Eros und Psyche?
Psyche muss mehrere Prüfungen bestehen, nachdem sie Eros’ Vertrauen verletzt hat. Am Ende werden beide versöhnt, und Psyche erhält Unsterblichkeit.
Ist Eros dasselbe wie Amor?
Die Römer setzten Amor oder Cupido häufig mit Eros gleich, doch die Figuren stammen aus unterschiedlichen religiösen und literarischen Traditionen.







